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Der Fuchs und der Storch Livre I - Fable 18


Gevatter Fuchs hat einst in Kosten sich gestürzt
und den Gevatter Storch zum Mittagstisch gebeten.
Nicht üppig war das Mahl, nicht reich gewürzt;
statt Austern und Lampreten
gab's klare Brühe nur – er führt' ein sparsam Haus.
In flacher Schüssel ward die Brühe aufgetragen;
indes Langschnabel Storch kein Bisschen in den Magen
bekam, schleckt Reineke, der Schelm, das Ganze aus.

Das hat der Storch ihm nicht vergessen.
Er lädt ihn bald darauf zu sich zum Mittagessen.
"Gern", spricht Herr Reineke, "denn unter Freunden ist
Umständlichkeit nicht angemessen."
Er läuft geschwind zur angegebnen Frist
zu seines Gastfreunds hohem Neste,
lobt dessen Höflichkeit aufs beste,
findet das Mahl auch schon bereit,
hat Hunger – diesen hat ein Fuchs zu jeder Zeit, -
und schnüffelnd atmet er des Bratens Wohlgerüche,
des leckern, die so süß ihm duften aus der Küche.
Man trägt den Braten auf, doch – welche Pein! –
in Krügen eingepresst, langhalsigen und engen.
Leicht durch die Mündung geht des Storches Schnabel ein,
umsonst dagegen sucht der Fuchs die Schnauze durchzuzwängen.
Hungrig geht er nach Haus und mit gesenktem Haupt,
beschämt den Schwanz ganz eingezogen.

Ihr Schelme, merkt euch das und glaubt:
Wer andere betrügt, wird selbst betrogen.
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ancre





W. Aractingy 81 x 100 cm, Février 1989

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