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Das Kind und der Schulmeister Livre I - Fable 19


Die Fabel hier und ihre Spitze zielt
auf jene Narren, die stets Reden halten.

Ein Knäblein, das am Seineufer spielt',
fiel in den Fluss. Des Himmels gnädig Walten
fügt', dass ein alter Weidenbaum, der hart
am Ufer stand, des Kindes Rettung ward.
Indes das Kind den Weidenzweig mit Bangen
erfasst, kam just ein Schulmeister gegangen.
Das Kind schreit: "Hilfe! Ich muss untergehn!"
Auf sein Geschrei bleibt der Magister stehn,
und mit dem Pathos eines Advokaten
schilt er den Kleinen: "Seht den Fratzen doch,
wohin durch seine Dummheit er geraten!
Um solchen Schelm soll man sich kümmern noch?
Die armen Eltern, deren Pflicht im Leben,
auf solch Gesindel immer Acht zu geben!
Sie haben wahrlich einen schweren Stand!"
Nach diesen Worten erst zog er das Kind ans Land.

Viel' gibt's der Art, wenn auch mit andrem Namen.
Der Schwätzer, Sittenrichter und Pedant
erkennt wohl sein Bild in diesem Rahmen –
unzählbar sind sie wie des Meeres Sand,
gesegnet hat der Schöpfer ihren Samen.
Die Sorte denkt doch stets zuerst daran,
der Rede Künste zu entfalten.

Erst rette, Freund, mich aus der Not, und dann,
dann magst du deine Rede halten!

ancre





W. Aractingy 81 x 100 cm, Juin 1993

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