Accueil des fables

Les 12 livres

Les Fables

Tris de fables

Le bestiaire

Les personnages

Morales et maximes

Les sources

Contact JMB


Gegen die Krittler Livre II - Fable 1


Gefiel's Kalliope, mir die Gaben zu verleihen,
die ihren Freunden sonst sie zur Verfügung stellt,
den Lügen des Äsop wollt' mein Talent ich weihen;
denn Lüg' und Poesie sind freundlich stets gesellt.
Mich wollte der Parnaß mit solcher Gunst nicht schmücken,
die diesen Dichtungen verliehe höhern Glanz.
Kühn ist es zwar, doch nicht unmöglich ganz-
ich wagte den Versuch, mag's Bessern besser glücken.

Ich ließ den Wolf in Menschensprache sprechen,
ließ auch das Lamm so antworten dem Frechen,
mehr noch: Es wandelten bei mir, wie ihr gelesen,
auch Bäum' und Pflanzen sich in sprachbegabte Wesen.
Wer möchte darin keinen Zauber sehen?
Die Krittler werden da wohl sagen:
"Ihr wisst, das muss man zugestehen,
mit Kindermärchen umzugehen."

Wollt ihr Historisches? Würd' euch behagen
ein höh'rer Stil? So hört denn: Der Trojaner Heer
hatt' in zehnjähr'gem Kampf um ihrer Festung Türme
die Griechen mürb' gemacht, die trotz der Gegenwehr,
trotz aller Schlachten, aller Stürme
noch immer nicht zerstört die Stadt mit ihrer Pracht;
da barg ein hölzern Pferd – Minerva hat's erdacht.
Ein Kunstwerk neu und wundersam
in seinen Bauch den listigen Odysseus nahm,
den tapferen Diomed, des Ajax stürm'sche Kraft,
nebst ihrer ganzen Ritterschaft,
die heimlich der Koloss nach Troja sollte bringen,
um deren Heer und Götter zu bezwingen.
Die Kriegslist unerhört und wirkungsreich genug,
um der Erfinder Müh' zu lohnen ...
"Halt ein, halt ein", so ruft jetzt ein Herr Überklug,
"der Satz ist gar zu lang, man muss den Atem schonen!
Und dann, dein hölzern Pferd zumeist
und deiner Helden wildes Ringen,
Geschichten sind's, die mir noch fremder klingen,
als wenn ein Fuchs des Raben Stimme preist.
Auch will der hohe Stil dich nicht besonders kleiden."

Gut! Stimmen wir den Ton herab: In Liebesleiden
denkt Amaryllis an Alcipp, und ihre Pein
sehn, meint sie, ihre Schäflein und ihr Hund allein.
Tircis, der sie erblickt, bleibt hinterm Busche stehen
und hört die Schäferin zum linden Zephir flehen,
dass ihre Liebesklagen hold
er hin zum Liebsten tragen sollt' ...
"Halt! Diesen Reim lass' ich nicht gelten",
ruft plötzlich mein Herr Mäkelbold,
"verfehlt muss seine Form ich schelten
und etwas dürftig an Gehalt.
Mit solchen Versen kann dir's nicht gelingen!"

Verdammter Krittler! Schweigst du bald?
Kann ich denn nichts zu Ende bringen?
Schlimm wär's, wollte so peinlichen
Urteilen sich der Dichter fügen.

Unselig sind die Kleinlichen:
Sie finden nirgends ein Genügen.

ancre





W. Aractingy 100 x 100 cm, Juillet 1994

Voyez aussi cette fable illustrée par:





Découvrez le premier roman de JM Bassetti, en version numérique ou en version papier sur le site https://www.jemappellemo.fr



Retrouvez tous les textes de JM Bassetti sur son sité dédié : https://www.amor-fati.fr