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Der Müller, sein Sohn und der Esel Livre III - Fable 1


Von einem Müller las ich mal und seinem Sohn
jener ein Greis und dieser halb erwachsen schon
und fünfzehn Jahre alt. Einst sah man die zwei laufen;
sie gingen hin zum Markt, einen Esel zu verkaufen.
Damit das Tier hübsch frisch und recht preiswürdig sei,
banden sie ihm die Bein' und trugen es ganz frei
an einem Stock, wie man Kronleuchter pflegt zu tragen –
das dumme arme Volk, gewohnt, sich stets zu plagen!

Der erste, der sie sieht, bleibt staunend stehn und lacht:
"Was dieses Bauernvolk für dummes Zeug doch macht!
Wen von den drei'n soll man den größten Esel nennen?"
Der Müller mochte wohl die Torheit jetzt erkennen,
schnürt los das Tier und lässt's auf eignen Füßen gehn.
Laut schreit der Esel auf, er schien's nicht gern zu sehn;
der Müller hört nicht drauf, er lässt den Jungen reiten
und geht daneben her. Von biedren Handelsleuten
wird unser Paar gesehn; die ärgern sich darob,
und ihrer einer ruft dem Jungen zu ganz grob:
"Holla! Steig ab! Ein Bursch mit jugendlichen Mienen
lässt sich von einem Greis mit grauem Bart bedienen!
Der sollte reiten, du zu Fuße gehn!"
Der Müller spricht: "Ihr Herren, euer Wille soll geschehen."
Der Knab' sitzt ab, und nun besteigt der Greis den Grauen.

Drei Mädchen kommen. "Ist das nicht eine Schmach zu schauen",
sagt eine, "wie zu Fuß der arme Junge schwitzt,
indes der alte Tropf stolz wie ein Bischof sitzt,
sich reckt und räkelt, just als ob ein Kalb er wäre?"
"In meinem Alter", sagt der Müller, "ist, auf Ehre,
man sicherlich kein Kalb! Geht eures Wegs nur fort!"
Nachdem noch hin und her geschimpft manch grobes Wort,
gibt nach der Greis und lässt auch noch den Jungen reiten.
Kaum dreißig Schritt, da kommt ein dritter Trupp von Leuten,
die spotten ihrer laut: "Seht nur die Toren!
Das Langohr kann nicht mehr und ist gewiss verloren!
Das arme Tier ist viel zu schwer beladen!
Nach langem, treuem Dienst verdient' es bessre Gnaden!
Die bringen ganz gewiss zu Markte nur das Fell!"
Der Müller sagt: "Ach ja! Ich seh' es klar und hell:
Nur ein Verrückter denkt es jedem recht zu machen.
Indes versuchen wir's – es ist zwar nur zum Lachen.
Lass sehn, ob's uns gelingt!" Sie steigen beide ab,
leer geht der Esel nun voraus in stolzem Trab.
Kommt wieder einer: "Ah! Bravo! Das muss ich sagen!
Spazieren geht der Esel, und der Müller muss sich plagen!
Ich rat' Euch, dass Ihr gleich in Gold ihn fasst!
Zerreißen ihre Schuh' und schonen ihren Grauen!"
Der Müller nun: "Ein Esel bin ich, ja, ich will's gesteh'n!
Allein von jetzt an wird das anders – Ihr sollt seh'n:
Wie auch die Welt von mir dann red', ob gut, ob schlecht,
ich tu' nach meinem Kopf!" Er tat's und er tat recht.

Du – geh zu Hofe, schwör zu Mars', zu Amors Fahnen,
steh, lauf, bleib hier, zieh dich zurück ins Schloss der Ahnen,
werde Geistlicher, Soldat, Geheimrat, nimm ein Weib, nimm keins,
dem Klatsch der Welt verfällst du doch – es ist alles eins."
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ancre





W. Aractingy 81 x 100 cm, Aout 1989

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