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Die ertrunkene Frau Livre III - Fable 16


"Was liegt daran?" so spricht wohl mancher, der es hört.
"Es ist ein Weib, das sich ertränkt hat!"
Ich sag' im Gegenteil: des höchsten Mitleids wert
ist dies Geschlecht, das uns nur Glück und Lust geschenkt hat.
Nicht ohne Grund sag ich es. Meine Fabel soll
von einer Frau euch Kunde geben,
die in den Fluten unheilvoll
durch ein beklagenswert Geschick verlor ihr Leben.

Es sucht' ihr Mann den Leichnam drauf,
um ihn, wie es die Pflicht des Gatten,
mit allen Ehren zu bestatten.
Nun gingen an des Flusses Lauf,
in dem das Unglück war geschehen,
viel Leute, die noch nichts vernommen von dem Fall.
Der traur'ge Witwer fragt sie all'
ob sie den keine Spur von seiner Frau gesehen.
"Nein", sagt der eine, "doch sucht weiter unten nur
und folgt dem Laufe der Gewässer."
Ein andrer aber spricht: "Nein, folgt nicht dieser Spur,
stromaufwärts sucht, das scheint mir besser!
Nach welcher Richtung auch – das steht ganz fest –
des Wassers Strom und Fall sie leite,
der Geist des Widerspruchs lässt
sie treiben nach der andern Seite."

Der Scherz des Mannes war nicht übermäßig fein.
Was er vom Hang zum Widersprechen
gesagt – vielleicht mag's richtig sein;
doch sei es nun, ob ja ob nein,
der Frauen Neigung und Gebrechen:
Ist eine mit der Eigenschaft geboren,
geht sie im Leben ihr auch nicht verloren.
Sie widerspricht, bis mit dem Tod ist alles aus,
und wenn sie kann, darüber noch hinaus.

ancre





W. Aractingy 81 x 100 cm, Février 1993

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