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Das Auge des Herrn Livre IV - Fable 21


Ein Hirsch sucht' Zuflucht einst in einem Ochsenstall;
anfangs rieten ihm die Tiere all',
nach bessrer Freistatt zu entweichen.
"Verratet mich nur nicht, ihr meine Brüder!" sprach
der Hirsch. "Ich weis' euch auch die fettesten Weiden nach;
der Dienst kann eines Tags zum Nutzen euch gereichen
und tut gewiss euch niemals leid."
Das Rindvieh schwur zu letzt ihm auch Verschwiegenheit.
Im Winkel tief versteckt, atmet' er auf ganz heiter.
Der Abend kommt; man bringt die frischen Futterkräuter,
wie man dem Vieh sie täglich gab.
Hundertmal geht das Dienstvolk auf und ab,
der Meier selbst, und keinem von den allen
ist das Geweih nur aufgefallen,
geschweige denn der Hirsch. Das Kind der Wälder hält
schon seinen Dank bereit; er will im Stall noch weilen,
bis er, wenn irgendwer heimkehrt vom Ackerfeld,
den günstigen Moment erhascht davonzueilen.
Ein Wiederkäuer sagt zu ihm: "Bis jetzt ging's gut;
doch noch hielt Must'rung nicht mit hundert Augen,
der Herr, sein Kommen wird dir wenig taugen!
Bis dahin, armer Hirsch, sei nur auf deiner Hut."
Jetzt kommt der Herr, den Stall beginnt er abzuschreiten.
"Was ist das?" sagt er seinen Leuten.
"Zu wenig Futter seh' ich in den Raufen all'!
Und hier die Streu ist alt – schnell, frische in den Stall!
Das Vieh sollt ihr in Zukunft besser pflegen.
Fällt es euch schwer, die Spinnen wegzufegen?
Warum sind all die Joch' und Ketten in Verfall?"
Wie er nach allem schaut, sieht auch ein Haupt er ragen,
ein andres, als sich sonst hier blicken ließ.
Nun ist der Hirsch entdeckt – ein jeder nimmt 'einen Spieß;
er wird zerstochen und zerschlagen,
auch Tränen retten nicht das arme Tier vom Tod.
Man salzt ihn ein, man macht aus ihm manch Mittagbrot.
an dem sich manche Nachbarn noch erquicken.

Sehr fein sagt Phädrus: "Nur des Herren Aug' genügt,
um recht zu sehn und scharf zu blicken."
Ich hätte noch der Liebe Aug' hinzugefügt.

ancre





W. Aractingy 100 x 100 cm, Septembre 1995

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