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Phöbus und Boreas Livre VI - Fable 3


Der Nordwind und die Sonne sahen einen Reitersmann,
zu seinem Glück vorsorglich angetan
mit wärmendem Gewand. Herbstwinde wehen
und raten jedem Wanderer sich vorzusehen.
Erst regnet es, dann scheint die Sonne, und es mahnt
der Regenbogen jedermann, der weite Reisen plant,
dass er den Mantel immer mit sich trage –
der Römer nannt' sie drum die zweifelhaften Tage.

Der Mann hatt' also sich für Regen vorgesehn
mit gutem festem Stoff und doppeltem Gewande.
"Der meint wohl", sprach der Wind, "ganz sicher jetzt zu gehn
für jeden Fall; doch hat er übersehn,
dass so zu blasen ich imstande,
dass nicht ein Knopf ihm hält! Wenn ich nur will, muss hier
der Mantel gleich zum Teufel fliegen.
Der Spaß macht uns gewiss Vergnügen!
Soll ich's mal tun?" - "Ja, meinetwegen, wetten wir,"
sagt' Phöbus drauf, "wem von uns beiden
am ersten es gelingt, ihn zu entkleiden,
der reitet auf dem Felde dort.
Fang an; mein strahlend Licht verdunkle ich sofort."
Mehr braucht' es nicht. Und mit Geschnaufe
bläst Boreas sich mächtig auf,
macht einen Höllenlärm darauf,
zischt, pfeift und stürmt einher, deckt ab in seinem Laufe
so manches Dach und spült so manches Schiffchen an den Strand –
und alles das um ein Gewand!
Der Reiter war bedacht, dass in des Mantels Falten
der Sturm sich nicht verfangen sollt'.
Das schützt' ihn. Und der Wind, er schafft es nicht, was er gewollt.
Je mehr er tobt, je mehr hält jener fest geschlossen
den Mantel, auch wenn ihm der Kragen wird zerfetzt.
Doch nun, sobald die Frist verflossen,
die sie in ihrer Wette festgesetzt,
verscheucht die Sonne plötzlich Wolk' und Regen,
erwärmt den Reiter und macht endlich ihm so heiß,
dass er den Mantel abzulegen
gezwungen wird, durchnässt von Schweiß;
es war nicht einmal nötig, dass mit aller Macht sie glühte.

Mehr als Gewalt bewirken Mild' und Güte.

ancre





W. Aractingy 100 x 100 cm, Aout 1994

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