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Die zwei Freunde Livre VIII - Fable 11


Zwei Freunde lebten einst in Monomotapa;
was einer hatte, war dem andern auch zu eigen –
die Freundschaft solle besser ja
sich dort als hierzulande zeigen.

In einer Nacht sieht man den einen sich aufraffen;
er eilt zu seinem Freund, erweckt der Diener Schar,
da Morpheus stundenlang schon Herr im Hause war.
Der Schläfer staunt, er greift nach Börs' und Waffen,
gewahrt den Freund und spricht: "Du pflegst doch sonst nicht viel
zu laufen, wenn man schläft wie jeder, der gescheit ist
und besser nützt die Zeit, die nur dem Schlaf geweiht ist!
Verlorest du etwa gar dein ganzes Geld im Spiel?
Da, nimm! Sollt' dich ein Ehrenhandel quälen?
Hier ist mein Degen, komm! Wenn du verdrießlich scheinst,
weil du im Bett alleine warst: Die Schönste magst du wählen
von meinen Sklavinnen; soll ich sie herbefehlen?"
"Nein", sagt der Freund. Von allem, was du meinst,
ist's nichts; doch magst auf meinen Dank du zählen.
Im Traum erschienest du ein wenig traurig mir;
ich sorgt', es wäre wahr, drum kam ich schnell zu dir.
Der dumme Traum war's, der es machte."

Wer liebt den andern mehr? Wie denkst mein Leser du?
Die Frage ist es wert, dass man sie ernst betrachte;
ein wahrer Freund verdient, dass man ihn achte.
In deines Herzens Grund sucht er, was not dir tu',
spart dir die Scham, ihm selber zu
entdecken, was dir etwa fehle;
ein Traum, ein Nichts, lässt ihm nicht Ruh',
gilt's dem Geliebten seiner Seele.

ancre





W. Aractingy

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