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Der Schäfer und der König Livre X - Fable 9


Von zwei Dämonen ist besessen unser Leben,
und wo sie herrschen, ist Vernunft weit fortgebannt;
ich weiß kein Herz, das nicht den beiden hingegeben.
Und wie sie heißen? Nun, sie sind euch wohlbekannt:
Die Liebe wird der eine, Ehrgeiz der andere genannt.
Des letzteren Reich ist weit: Ihm frönen alle Seelen,
selbst Liebe ist von ihm bedroht.
Gar leicht bewies' ich's, doch mein Zweck ist zu erzählen,
wie einen Schäfer einst ein Fürst zu Hof entbot.

Es ist eine alte Mär' und nicht aus unsern Tagen.
Der König sah im Feld der Herden üpp'ge Schar,
gut grasend, wohlgenährt, und die in jedem Jahr,
dank ihres Schäfers Müh, großen Gewinn getragen.
Der Hirt gefiel ihm, der so zuverlässig war.
"Ein guter Seelenhirt", spricht er, "wärst du wohl gar.
Die Schafe lass, du sollst es wagen,
Menschen zu hüten nun: Zum höchsten Richter sei ernannt."
Bald saß der Schäfer da, die Waage in der Hand.
Zwar hat von Menschen nur einen Klausner er gesehen,
nur Schafe, Hund und Wolf sind ihm bekannt;
Doch hatt' gesunden Sinn er, und so mocht's schon gehen,
kurz, er bracht' alles wohl zustand.
Der Nachbar Klausner kommt: "Sag, Freund, mir, ob ich wache!
Und was ich sehe, ist das nicht ein Traumgesicht?
Du Günstling? Du jetzt groß? Ach, trau den Kön'gen nicht!
Schwankend in ihrer Gunst! Das Schlimmste bei der Sache:
Sie trügt und kostet viel. Du gehst auf falscher Spur;
auf solche Täuschung folgt ein großes Elend nur.
Du kennst den Reiz nicht, der dich bannt in diese Kreise;
ich rat' als Freund dir: Sieh dich vor!"
Der andre lacht; doch unser Klausner: "Gib nur acht,
dann siehst du ein: Schon jetzt macht dich der Hof unweise.
Dem Blinden gleichst du auf der Reise,
der eine frosterstarrte Schlange fand,
sie für eine Peitsche hielt und aufhob mit der Hand;
die eigne Peitsche fiel ihm fort, sie war verschwunden.
Wie er dem Himmel dankt, dass er Ersatz gefunden,
ruft ihm ein Wandrer zu: "O Gott! Was habt ihr dort?
Schnell, werft das arge Tier, die tück'sche Schlange fort!"
"Es ist eine Peitsche." - "Nein, sag' ich, es ist eine Schlange.
Ich weiß nicht, wozu quäl' ich mich mit Euch noch lange?
Wünscht zu behalten Ihr den Schatz?" - "Warum den nicht?
Ich hab' eine gute Peitsch'; es spricht
nur Neid aus Euch, das merk' ich eben!"
Der Blinde hat es nicht geglaubt
und büßt das bald mit seinem Leben:
Das aufgetaute Untier hat es ihm geraubt.
Dir wird, glaub mir, du wirst es sehen,
dir wird viel Schlimmeres als jenen noch geschehen!"
"Was? Schlimmeres als der Tod wäre mir aufgespart?"
"Ja, Reu' und Ekel", sagt der Klausner.

Und wie mächtig zeigt die Weissagung sich!
Durch Schliche aller Art macht mancher Schurk' am Hof
den Richter rein und zart und sein Verdienst dem König bald verdächtig.
Man schmäht ihn, man besticht Ankläger, niederträchtig
Gesindel, das sein scharfer Richterspruch gefasst.
"Von unsrem Gelde", heißt's, "baut er sich einen Palast!"
Die reichen Schätze will der König selbst ergründen.
Er sieht nur überall Bedürfnislosigkeit,
den Preis der Armut uns das Lob der Einsamkeit;
das war die Pracht, die hier zu finden.
"Sein Schatz", rief man, "besteht nicht in Gold und Edelstein;
er hat einen Koffer voll, groß und zehnfach verschlossen!"
Er zeigt' den Koffer vor; verlegen schauten drein
des Truges schurkische Genossen.
Den Koffer öffnet' man; was war die ganze Pracht?
Nur Lumpen, eine Schäfertracht,
ein kleiner Hut, Rock, Stab, eine Tasche für das Essen,
den Dudelsack nicht zu vergessen.
"Mein Schatz, du teures Pfand des Glücks, das ich genoss",
rief er, "du wecktest niemals Lüge, Hass und Rache!
Komm wieder her; ich geh' aus diesem reichen Schloss,
wie ich aus einem Traum erwache.
Den Ausruf, Herr verzeiht! Schon meines Falls bewusst
war ich, als mir erstrahlt' all dieses Glanzes Schimmer.
Hochmut kommt vor dem Fall; allein, wem schwellte nimmer
ein Körnchen Ehrgeiz wohl die Brust?

ancre





W. Aractingy

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