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Die zwei Papageien, der König und sein Sohn Livre X - Fable 11


Zwei Papageien, Vater war's und Sohn,
die an des Königs Tisch ihr Futter fanden –
bei Sohn und Vater, zwei Halbgöttern, standen
in Gunst die beiden Vögel nach dem Thron.
Das Alter hält mit wahrer Freundschaft Banden
umschlungen sie: Die Väter liebten sich;
die Kinder auch, obwohl leichtsinnig, schlossen
sich beide aneinander fest und brüderlich,
der Schule wie des Mahls Genossen.
Das war viel Ehre für den jungen Papagei;
ein Prinz war jenes Kind, sein Vater war ein König,
und gut geartet von Natur, hatt' er nicht wenig
die Vögel lieb. Ein Spatz, leichtfertig, keck und frei
und der verliebteste in sämtlichen Provinzen,
erfreute gleichfalls sich der Gunst des jungen Prinzen.

Dies Nebenbuhlerpaar spielt' einstmals und geriet,
wie's jungen Leuten wohl geschieht, dabei in Streit.
Es ward zerschlagen, zerhackt der unvorsicht'ge Spatz
so arg, dass er halbtot vom Platz und flügellahm
ward fortgetragen; man meint', dass er unheilbar sei.
Der Prinz erschlug den Papagei im Zorn.
Der Alte hat es bald vernommen. Er weint' und schrie,
doch nichts mehr frommen konnt' es,
umsonst war all sein Weh und Ach;
der sprachbegabte Vogel lag im Sarge.
Der Vogel, der jetzt nicht mehr sprach,
versetzte nun in Wut den Vater, in ganz arge:
Des Prinzen Augen hackt er aus mit mächt'gen Hieb.
Sogleich flieht er und birgt unter dem Wipfeldach
von einer Tanne sich; dort, in der Götter Schoß,
sitzt er an sichrem Ort und freut sich seiner Rache.

Der König eilt herbei und lockt ihn: "Kehr zu mir zurück!
Was hilft uns noch das Weinen hier?
Hass, Rache, Trauer – lass all das uns jetzt vergessen.
Wie groß auch ist mein Schmerz, ich sage dir:
Die Schuld ist unser, wohl ermessen hab ich's,
sie trägt mein Sohn in seines Zornes Wahn.
Mein Sohn? Ach nein, das Schicksal hat's getan.
Eins unsrer Kinder sollt', so stand's im Buch der Parze,
sterben, das andere erblinden; sieh, das schwarze
Verhängnis musst' uns also nahn.
Kehr wieder heim, lass uns einander Trost zusprechen!"
Der Vogel: "Meinst du wirklich, Mann, dass nach so
blutigem Verbrechen ich dir mich anvertrauen kann?
Dem Schicksal gibst du Schuld, denkst du daran,
mit Lockungen mein Misstrauen abzuschwächen?
Mag die Vorsehung nun, mag blinde Schicksalsmacht
die Ordnung dieser Welt besorgen, fest steht's:
Auf dieses Baums unnahbar hoher Wacht
oder in tiefem Wald geborgen, bring' meine Tag' ich hin;
fern sei von dir verbannt, was stets mit Recht ein Gegenstand
des Hasses und der Wut dir wär'. Ich weiß, die Rache
gehört den Kön'gen, da ihr nun mal Götter seid.
Vergessen wolltest du die Sache? Ich glaub's,
doch deinem Aug' und deinem Arme weit entfernt zu bleiben,
halt' ich für gescheit. Mein Freund, du sprichst umsonst,
drum lass es! Rückkehr? Niemals! Die Trennung tut
das ihre schon: Sie ist zur Heilung wilden Hasses
wie gegen Liebe als ein Pflaster gut."

ancre





W. Aractingy

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