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Die Kaninchen Livre X - Fable 14


Oft hab' ich mir gesagt, sah ich das Tun und Schalten
des Menschen und wie sein Verhalten in tausend Fällen
dem der Tiere ganz entspricht: Der Herr der Schöpfung
hat weniger Mängel nicht als seine Sklaven. Jedem Wesen
gab die Natur ein auserlesen Stückchen von jener Masse,
aus der schöpft der Geist; den Geist, der Körper ist,
mein' ich, gewoben –aus Stoff, wie euch das folgende beweist.

Zur Dämmerung – sei's, dass das Licht von oben
mit seinem letzten Strahl die feuchte Erd' erhellt,
sei's, dass die Sonne sich zu neuem Lauf erhoben
und zwischen Nacht und Tag noch schwebt die Welt–
erklimm' ich einen Baum am Waldesrand; dort sitze
ich wie ein junger Jupiter auf dem Olymp und blitze
auf ein Kaninchen, wenn sich just mir schussgerecht
eins vorgeschoben. Gleich flieht das ganze Volk Kaninchen,
das voll Lust im Heidekraut, mit heitrem Toben,
mit offnem Aug' gespitztem Ohr, mit Thymian ihr Mahl
gewürzt noch kurz bevor. Vom Knall verscheucht,
sucht wie besessen die ganze Schar im ersten Schreck
ihr unterirdisches Versteck. Ist die Gefahr vorbei,
ist auch die Furcht vergessen, und das Kaninchenvolk
kommt zu des Mahls Genuss, noch heitrer als zuvor,
mir wieder vor den Schuss.

Ob an der Menschen Tun uns dies nicht mahnen muss?
Von des Sturms Gewalt verschlagen, kaum genaht
dem sichern Port, sieht man neuen Sturm sofort,
neuen Schiffbruch man sie wagen. Als Kaninchen
zeigen dann sie sich in Fortunas Händen.
Zu einem andern Fall will ich sogleich mich wenden.

Wenn eine Hundeschar in einem Dorf ich find',
wo diese Hunde nicht zuhause sind –
welch ein Geheul und welch ein Gebelle!
Des Dorfes Hunde, auf der Stelle von Futterneid erfasst,
mit scharfem Biss verfolgen sie die Fremden bis
an des Gebietes letzte Grenze.

Der Neid auf Geld und Größ' und Ruhmeskränze bewirkt,
dass Fürsten oft und Schranzen, ja gewiss auch Leut'
aus jedem Stand sich ebenso betragen.
Wir alle fallen ohne Zagen her über den,
der uns als Nebenbuhler droht.
Dichtern und schönen Frauen will man's nachsagen,
und jungen Schriftstellern, o welche Not!
Nur möglichst wenige auf einen Bissen Brot,
das heißt Geschäft! Was hilft das Klagen?
Beweise sind es nicht, woran es mir gebricht;
allein je kürzer ein Gedicht, je besser es gefällt.
Dass dies wahr und recht ist, weiß von den
Meistern ich, und mancher Kritikus lehrt,
dass noch immer was zu denken bleiben muss;
und deshalb eil' ich jetzt zum Schluss.

Du, der du stets mir gabst, was immer gut und echt ist,
dessen Bescheidenheit nur deiner Größe gleicht,
der du errötest, wenn ein Lob dich je erreicht,
wär' auch dies Lob, das man verkündet,
noch so gerecht und wohlbegründet,
bei dem mit Mühe nur ich die Erlaubnis fand,
dass eine Huldigung ich deinem Namen weihe,
der Schutz mir gegen Zeit und vor Zensur verleihe –
ein Name, jederzeit und überall gekannt,
der Frankreich Ehre macht, dem es seit frühsten Tagen
an großen Namen nicht gebricht,
gestatte wenigstens mir, aller Welt zu sagen,
dass du den Gegenstand mir gabst für mein Gedicht.

ancre





W. Aractingy

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