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Des Moguls Traum Livre XI - Fable 4


Ein Mogul sah einen Wesir im Traum, der ew'gen Seligkeit in lichtem
Himmelsraum genoss und Wonnen, die im reinsten Lichte strahlen.
Derselbe Träumer sah an andrem Ort in Qualen einen armen Klausner,
glutumfacht, der selbst der Elenden Erbarmen rege macht.
Das schien ihm gar nicht recht zu passen, als hätt' Minos in den zwei
Toten sich geirrt. Der Schläfer wachte auf, erstaunt und ganz verwirrt:

Sollt' ein Geheimnis nicht der Traum umfassen?
Drum wollt' er ihn sich deuten lassen.
Der Traumausleger sagt: "Der Traum hat Sinn ein Wink
der Götter ist's; ich bin bereit, die Deutung zu versuchen.
In ihrem Leben, auf der Erde zugebracht, da pflegte der
Wesir die Einsamkeit zu suchen, der Klausner hat Wesiren
oft den Hof gemacht."

Ein Wörtchen noch zur Deutung dieses Weisen:
Die Einsamkeit vor aller Welt möchte ich preisen. Sie schafft
den, der sie liebt, ein Glück, das ohne Reu', ein Pfand des
Himmels, rein und immer neu. Wo seid ihr, Orte, die ich liebte,
mit dem leisen, geheimnisvollen Wehn, wo, fern dem Lärm der Welt,
nur kühler Schatten mich und Duft umfangen hält und wo's
melodisch klingt aus dunkler Bäume Nestern? Wann darf ich,
fern vom Hof, nur den neun Schwestern ganz angehören, wann
erlernen an dem Firmament der Sterne Wunderlauf, den unser
Aug' nicht kennt, die unerreichbar fern in Wandelfeuer glimmen
und unser Handeln wie unser Geschick bestimmen? Bin ich geschaffen
nicht für so erhabnen Flug, gibt mir des Bächleins Lauf der Wonnen
doch genug; sein Ufer schildr' ich, das von Bäumen rings umgeben.
Aus goldnen Fäden spinnt die Parze nicht mein Leben, kein üppig Himmelbett
ist meinem Schlaf beschert; Doch ist mein Schlummer darum minder wert?
Wird er mich wen'ger fest umschlingen?
Nein, einsam will ich gern ihm neue Opfer bringen. Naht dann der Augenblick
des Scheidens: Ohne Scheu und Sorg' hab ich gelebt und sterbe ohne Reu'.

ancre





W. Aractingy

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