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Der Wolf und der Fuchs Livre XII - Fable 9


Wie kommt's, dass niemand sich bescheidet
mit seinem Rang und Stand?
Es wär' Soldat am liebsten der,
den wieder der Soldat beneidet.

Ein Fuchs möcht' sehnlichst gern vom Stamm
der Wölfe sein. Nun wer kann sagen,
ob nicht auch mancher Wolf, ein Lamm
zu werden, schon Begehr getragen?

Denkt nur: Ein Prinz, der kaum acht Jahr',
macht' eine Fabel draus; indessen
schmied' Verse ich mit grauem Haar –
mit seiner Prosa können sie sich nimmer messen.

Viel Einzelnes ist aufgeführt in seiner Fabel
und vertreten mehr als beim Dichter; drum
gebührt mehr Lob dem Kind als dem Poeten.

Schalmeien nur und Hirtenflöten kann ich;
allein ich weiß: Bald greif' zu meines Helden Preis
ich zu Posaunen und Trompeten.

Nicht zähl' ich mich zu den Propheten;
doch les' am Himmel ich: Sein Ruhm
wird nächstens und sein Heldentum
Homere heischen, mehr als einen;
und diese Zeit gebiert wohl keinen.
Doch jetzt beiseite das! Es scheinen
Mysterien. Gehen wir auf unsre Fabel los!

Zum Wolfe sprach der Fuchs: "Mein Freund, oft hab' ich bloß
einen alten Hahn zum Mahl, ein magres Huhn. Welch Los!
Das ist ein Fleisch, vor dem mir ekeln möchte!
Du nährst dich besser und gegen Gefahr gedeckt:
Ich schleich' in Häuser mich, du bleibst im Wald versteckt.
Zeige mir, wie du's machst, mein Freund! Zu gerne triebe
als erster von dem Fuchsgeschlechte einen fetten Hammel
ich für meinen Schnabel auf.
Undankbar wirst du mich finden, rechne drauf."
"Das will ich", sagt der Wolf. "Ein Bruder starb mir neulich;
komm, holen wir sein Fell, du hüllst darin dich ein."
Er tut's; der Wolf spricht: "So, nun mach es ganz getreulich
mir nach! Zu täuschen gilt's zunächst den Schäferhund."
Der Fuchs hüllt in das Fell sich und macht getreulich alles
nach, wie's ihn sein Meister lehrte, erst etwas ungeschickt,
dann besser – so viel tut die Übung – und zuletzt so gut,
dass zur Vollkommenheit er fast nichts mehr entbehrte.
Da kommt eine Herde an. Der neue Wolf eilt keck herbei,
verbreitet weit ringsum nur Angst und Schreck.

So mocht' in Angst Patroklus jagen
Lager und Stadt, als er Achills Rüstung getragen:
Alles lief, Weib, Kind, Greis, zur Tempelpforte hin.

An fünfzig Wölfe glaubt zu schaun das Heer der Blöker;
Hund, Herd' und Hirten konnt' ins Dorf man fliehen sehen,
ein einzig Schaf nur ließ man ihm als Beute stehen.
Der Räuber packt es an. Doch ein'ge Schritt' von dort
hört in der Nachbarschaft er eines Hahnes Krähen.
Da läuft der Schüler hin, dem Hahne nach, sofort,
wirft ab die Schülertracht in Schnelle,
vergisst Schaf, Unterricht und Lehrer gleich und eilt
zum neuen Fange unverweilt.

Was hilft es, dass man sich verstelle?
Man täuscht sich, wenn man glaubt, dies ändre die Natur;
der ersten Lockung folgt man schnelle
wieder in seine erste Spur.

Dein Geist, mein Prinz, vor andern hoch erhaben,
ist es, dem meine Muse alles dankt diesmal:
Thema und Reden und Moral
in dem Gedicht sind deine Gaben.
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ancre





W. Aractingy

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