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Der Richter, der Krankenpfleger und der Einsiedler Livre XII - Fable 29


Drei Heil'ge, gleich besorgt um ihrer Seele Ruh',
strebten im selben Geist demselben Ziele zu,
doch nicht auf gleichem Pfad. Es führen, wie wir wissen,
die Wege all nach Rom; drum schien es unsern drei'n,
am besten schlüge man verschiedne Straßen ein.
Der erste, stets im Kampf mit Sorg' und Hindernissen,
wie bei Prozessen sie nicht zu vermeiden sind,
erbot sich, ohn' Entgelt zu richten alle Sachen;
er dachte nicht daran, hienieden Geld zu machen.
Da es Gesetze gibt, so ist ein jedes Menschenkind
zu Zank und Streit verdammt die Hälfte seines Lebens.
Die Hälfte? Mehr, und oft sein ganzes Leben lang.
Der Heiland hoffte noch zuletzt, den tollen Drang,
die schlimme Leidenschaft zu heilen, doch vergebens.

Der Krankenpflege hat der zweite sich geweiht.
Ich lob' ihn; diese Form der Menschenfreundlichkeit
scheint die vorzüglichste mir ohne jede Frage.
Die Kranken, damals ganz genau wie heutzutage,
machten das Leben oft dem armen Pfleger schwer
durch Missmut, Ungeduld, Klagen, die nimmer schwiegen:
"Um den und jenen kümmert er sich mehr!
Die hat er gern, mich lässt er liegen!"
Viel schlimmer noch als dies war die Verlegenheit
für den, der eingesetzt als Richter in dem Streit:
Er macht' es keinem recht; was auch sein Spruch besage,
ihn lobte keine der Partei'n; der Richter hielt, nach allen zwei'n,
doch ungleich stets des Rechtes Waage.
Dergleichen Zank verdross den Richter, und er eilt'
zum Krankenhause, wo sein Freund als Pfleger weilt'.
Da beide nichts zum Lohn als Klag' und Murren hatten,
legen betrübt ihr Amt sie nieder, Trost im Leid
und Lindrung suchend in des Waldes Einsamkeit.
Dort, unter rauem Fels, an klarem Quell, im Schatten
der Stille, der nicht Sturm noch Sonne jemals naht,
finden den dritten sie und fragen ihn um Rat.
"Den kann", versetzt ihr Freund, "sich jeder selbst nur geben.
Wer außer euch weiß, was euch not?
Sich selbst erkennen ist das wichtigste Gebot,
das allen Sterblichen der Ewige gegeben.
Habt in der bunten Welt ihr je euch selbst erkannt?
Man kann's nur, wo man Ruh' und traute Stille fand:
sucht einer anderswo dies Gut – vergeblich Streben!
Trübt Wasser: Blickt dann euer Bild heraus?
Rührt dies hier auf; Wie sehn darin wir alle aus?
Ihr sehet Schlamm nur, schmutzig-grauen,
der jedem Spiegelbild sich grade widersetzt.
Nun, Brüder, wartet ab, bis es sich wieder setzt,
dann werdet euer Bild ihr schauen.
Sucht Selbstbetrachtung ihr, so wählt die Wüstenei."
So sprach der Eremit; es taten gläubig die zwei,
wie er zu ihrem Heil geraten.

Nicht, dass ein jedes Amt gleich abzuschaffen sei!
Solang' es Streit und Tod und Krankheit gibt im Leben,
stellen von selbst sich Ärzt' und Advokaten ein –
an beiden, Gott sei Dank, wird nimmer Mangel sein;
dafür mag Ehr' und Geld uns sichre Bürgschaft geben.
Doch wer für öffentliche Dinge lebt, mit Sicherheit
verliert er sich. Ihr, die fürs Volk ihr tragt der Sorgen Last,
Fürsten, Minister und Beamte,
die zu rastloser Hast das Schicksal oft verdammte,
gebeugt vom Unglück und vom Glücke leicht betört –
vom eignen Herzen nicht, von keinem habt ihr Kunde.
Ruft zum Nachdenken mal euch eine günst'ge Stunde,
gleich kommt ein Schmeichler, der euch stört.

Mit dieser Lehre find' auch dieses Buch sein Ende;
brächt' künft'gen Zeiten sie nur Vorteil und Genuss!
Den Fürsten leg' ich sie, den Weisen in die Hände.
Sagt, gibt es einen bessren Schluss?

ancre





W. Aractingy

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